Rolle 5292

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Werk: „Sunflower (Sonnenblume). Fox-Trot-Intermezzo“

Komponist*in: Leo Eysoldt

Hersteller: S.M.

Produktionsort: keine Angabe

Rollennummer: 5292

Interpret*in: keine Angabe

Sammlung: Marc Widuch

Verlag der Notenvorlage: Halley-Verlag (Köln)

Veröffentlichungsjahr (Notenvorlage): 1921

Tonumfang: 88

Stanzdatum: keine Angabe

Rollenbezeichnung: Original Künstler Reproduktionsnotenrolle

Was verbirgt sich hinter einer 88er-Rolle von S.M.?
Diese Rolle der Leipziger Firma S.M. (Meißner und Schiller), hier versehen mit dem Stempel des Berliner Klavierherstellers Alois Müllner, umfasst eine Skala von 88 Tönen (A2 bis c5). Am Beginn findet sich eine aufgedruckte Tempoangabe. An den Seiten finden sich Lochungen zur Hervorhebung der Melodietöne (Solodant). Diese Lochungen heben die Melodietöne stärker hervor, da sie eine momentane Verstärkung des pneumatischen Drucks bewirken. Da diese Verstärkung alle auf einer horizontalen Linie liegenden Löcher (und entsprechende Klaviertasten) ansteuern würde, wurde beim Editierprozess darauf geachtet, dass diese Lochungen stets (zeitlich) leicht versetzt zu den übrigen lagen, so dass einzig die Melodietöne dynamisch hervorgehoben wurden. An den Seiten befinden sich weiterhin Perforationen für die Ansteuerung der Pedale. Diese Rollenart hat eine eingezeichnete Dynamiklinie über den Verlauf der ganzen Rolle. Diese Rolle kann durch die Spieler*innen am Pianola durch Hebel und Fußpedale in puncto Dynamik und Tempo entweder den Vorgaben entsprechend oder nach Belieben frei gestaltet werden.
Die Bezeichnung „Original Künstler Reproduktionsnotenrolle“ ist leicht irreführend. Eigentlich wurde zwischen „Künstlerrollen“ und „Reproduktionsrollen“ kategorisch unterschieden: In den eigentlichen „Reproduktionsrollen“ war, zumindest den Angaben von Herstellern wie M. Welte & Söhne zufolge, auch die „originale“ Dynamik/Tastenanschlagsstärke des menschlichen Spiels mitaufgezeichnet worden. Diese Informationen fehlten auf „Künstlerrollen“ zumeist. Während „Reproduktionsrollen“ einfach nur abgespielt und angehört werden sollten, ohne dass ein*e Spieler*in interpretatorisch eingriff und eigene Veränderungen vornahm („Reproduktionsrollen“ sollten das „originale“ Spiel der/des Pianist*in*en „reproduzieren“), beinhaltet die hier vorliegende Rolle mit der Bezeichnung „Original Künstler Reproduktionsrolle“ aber eine Dynamiklinie und damit die explizite Aufforderung, die Dynamik am Interface der Pianola zu steuern. Somit ist sie keine „Reproduktionsrolle“ im gerade beschriebenen Sinne, sondern eine Rolle für so genanntes Kunstspielklavier, auch „Künstlerrolle“ (im englischen dann „artists roll“) genannt. Wie die „Reproduktionsrolle“ war auch diese Rolle von einem Menschen an einem Aufzeichnungsklavier eingepielt, aber durch eine*n Editor*in vor dem endgültigen Ausstanzen und Vervielfältigen nachbearbeitet worden.

Literatur u. Links:
Köpp, Kai. 2015. „Das Reproduktionsklavier. Zwischen Musikinstrument und Medium“. In: Spiel (mit) der Maschine. Musikalische Medienpraxis in der Frühzeit von Phonographie, Selbstspielklavier, Film und Radio herausgegeben von Marion Saxer. Bielefeld: transcript, S. 157-175.
Wolf, Rebecca. 2015. „Spielen und bedienen. Das selbstspielende Klavier als virtuose Maschine“. In: Spiel (mit) der Maschine. Musikalische Medienpraxis in der Frühzeit von Phonographie, Selbstspielklavier, Film und Radio herausgegeben von Marion Saxer. Bielefeld: transcript, S. 137–156.
Deutsches Museum München: https://digital.deutsches-museum.de/projekte/notenrollen/rollentypen/88_s_m/
Faszination Pianola: https://www.faszinationpianola.de/welche-notenrollen-typen-gibt-es/

Vorgeschlagene Zitierweise: Notenrollen für selbstspielende Klaviere / Scans und Audioemulationen des DFG-Projekts Synkopierung und Volumen, erstellt von Marc Widuch in Zusammenarbeit mit Sebastian Bausch und Peter Phillips, bearbeitet von Jens Gerrit Papenburg, Steffen Just und Carla Christine Jürgens, https://sonic-modernity.net/2023/04/11/rolle-5292/, Version vom 10.02.2023.

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